1938

Traces

reviving history together

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1938

Im März 1938 annektiert das Deutsche Reich Österreich. 190.000 Juden kommen in der so genannten Ostmark unter nationalsozialistische Herrschaft. Ab Mai treten die deutschen Rassengesetze in Kraft. In den Folgenmonaten müssen die im Land verbliebenen Juden nach Wien übersiedeln. Im November kommt es zur so genannten Reiskristallnacht: Jüdische Männer, Frauen und auch Kinder werden geschlagen und gedemütigt, 27 Juden werden getötet, mehr als 80 schwer verletzt. 92 Synagogen werden zerstört, 1950 Wohnungen beschlagnahmt. 6.000 Juden werden festgenommen, die Hälfte davon wird ins Konzentrationslager Dachau abtransportiert.

1939

Im Jänner 1939 kündigt Hitler in einer Reichstagsrede „die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ an. Im April verlieren Juden weitgehend den gesetzlichen Mieterschutz. Als Hitler am 1. September Polen überfällt, wurden bereits 120.000 Juden aus Wien vertrieben. Unter den Nazis spricht man von der „Lehrstätte für Vertreibungsexperten“. Als die Nationalsozialisten später die Juden aus Deutschland und der Tschechoslowakei vertreiben, werden sie sich am „Wiener Modell“ orientieren.

1940

NS-Gauleiter und Reichstatthalter Baldur von Schirach zieht am Ballhausplatz ein. Die Deportation der Wiener Juden in das KZ Theresienstadt oder eines der Ghettos im besetzten Polen beginnt. Im April startet der Bau eines Konzentrationslagers bei der polnischen Kleinstadt Oswiecim, zu Deutsch: Auschwitz.

1941

Nazi-Behörden lassen am Jüdischen Friedhof Währing einen Löschteich ausgraben. Das ausgehobene Erdreich mitsamt Grabsteinen und Gebeinen der Verstorbenen wurde in ganz Wien verstreut. Zusätzlich werden 300 Leichen exhumiert und ins Naturhistorische Museum gebracht, um nationalsozialistische Theorien einer „Jüdischen Rasse“ zu bestätigen. Ab September 1941 müssen jüdische Bürger ab dem sechsten Lebensjahr im Deutschen Reich den „Judenstern“ als obligatorisches Kennzeichen tragen. Im Oktober beginnen die Massendeportationen der Wiener Juden, zunächst in ein Ghetto in der Stadt Lodz im besetzten Polen.

1942

Im Jänner beschließt eine Gruppe hochrangiger Nazifunktionären bei der so genannten Wannsee-Konferenz die systematische Ermordung von Millionen Juden in NS-Konzentrationslagern. Die „im Zuge der Endlösung in Betracht kommenden“ Juden werden auf 11 Millionen beziffert. Im März werden im KZ-Auschwitz, im April im KZ-Sobibor die Gaskammern in Betrieb genommen. Am 1. November 1942 wird die Wiener Kultusgemeinde aufgelöst. Im Dezember veröffentlichen die Alliierten eine Erklärung gegen die "Deutsche Politik der Auslöschung der jüdischen Rasse". Darin heißt es: "Die alliierten Regierungen verurteilen diese Verbrechen aufs schärfste und bekräftigen ihre feste Entschlossenheit, dafür zu sorgen, dass die dafür Verantwortlichen der Vergeltung nicht entkommen werden."

1943

Im Jahr 1943 gibt es 19 offizielle Transporte jüdischer Bürger von Wien aus in NS-Konzentrationslager. Die Deportationen aus Wien gehen vom Aspangbahnhof ab, nachdem die Opfer in Sammellagern (2, Castellezgasse 35; Kleine Sperlgasse 2a; Malzgasse; Miesbachgasse 8; alle im 2. Bezirk) konzentriert wurden. Im Dezember erreicht der erste Transport aus Wien das KZ-Auschwitz.

1944

Am 10. September 1944 fallen die ersten Bomben der Allierten auf Wien. Für die wenigen Menschen, die, mit einem Judenstern gekennzeichnet, noch in Wien überlebt haben, gibt es keinen Luftschutz: Nach den Angaben des „Ältestenrats der Juden in Wien" leben Ende Dezember 1944 in Wien 5.799 Männer und Frauen, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden gelten. Währenddessen werden tausende ungarische Juden in Wiener Arbeitslager transportiert.

1945

Am 27. Jänner 1945 betreten russische Truppen das KZ Auschwitz. Nach unterschiedlichen Schätzungen wurden zwischen 1,2 und 1,6 Millionen Menschen ermordet, darunter mehr als eine Million jüdische Frauen, Männer und Kinder. Am 30. April erschießt sich Adolf Hitler im Berliner Führerbunker. Von über 200.000 jüdischen Wienern im Jahr 1938 leben zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Dutzend in Wien. 59.000 Mietwohnungen wurden bis Kriegsende in Wien „arisiert“.

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